Häufigster Fehler bei entlaufenen Hunden

Was ein entlaufener Hund ganz sicher nicht braucht...

... oder verwirre mich nicht mit Fakten, wenn ich eine vorgefasste Meinung habe!"

 

Es gibt beim Thema "entlaufener Hund" eine Sache, die bei so mancher Suche nicht wirklich in die Köpfe der Leute zu bekommen ist. Ich weiß nicht, ob da der urzeitliche Jäger bei so manchen wieder durchkommt, oder man einfach die Chance ergreift, einmal im Leben ein Held zu sein. Wie auch immer...

Gerade die Hunde, die erst relativ frisch aus dem Ausland nach Deutschland verbracht wurden, sich hier auf eine neue Umgebung, neue Menschen, ein komplett anderes Leben einstellen müssen, reagieren in aller Regel mit Angst bis hin zu Panik, zumindest aber erst mal natürlicherweise mit Verunsicherung, was dann ja leider eben häufig bei mangelnder Sicherung zum Entlaufen führt. So weit, so schlecht... Wenn  es dann passiert ist, geschieht es nach mehr oder weniger kurzer Zeit, dass der Hund sozusagen in einem anderen Verhaltensmodus wechselt, wechseln muss. Man muss sich das grob erklärt in etwa so vorstellen, dass ich einen Teil Verhalten beim Hund habe - und das ist der, den ich sehe, wenn der Hund mit mir zusammen lebt - der durch Rassedispositionen, Erfahrungen und gezielt gelehrtem Verhalten bedingt ist. Aber dieses Verhalten ist abhängig davon, dass der Hund in dem Beziehungsgfüge mit seinen Menschen lebt. Geht dieses Gefüge verloren, weil Mensch und Hund durch Entlaufen voneinander getrennt wurden und auch nicht innerhalb relativ kurzer Zeit wieder zusammen kommen, muss der Hund, um überleben zu können, irgendwann in einen anderen Verhaltensmodus wechseln. Dieser ist überwiegend Instinktgesteuert und gerade bei früheren Straßenhunden kommt hier dann auch noch dazu, dass sie sozusagen von klein auf gelernt haben, auf der Straße zu überleben. Dieser Verhaltensmodus gibt dem Hund vor, Artgenossen und Menschen mit Vorsicht zu genießen und wenn möglich und aus seiner Sicht nötig, das Heil im Rückzug zu suchen. Gerade unsichere Hunde können bei zu intensiver Ansprache (aktives auf den Hund zugehen, manchmal reicht es schon, in nur anzusprechen) leiht auch in Panik versetzt und zu kopfloser Flucht veranlasst werden, selbst wenn es die ihm bekannten Menschen sind, die da plötzlich vor ihm stehen. Und gerade das sind die Situationen, die für nicht wenige Hunde tödlich enden und -noch schlimmer- potenziell auch Menschenleben gefährden können. Deshalb findet man auf vielen, vielen Suchflyern immer wieder den eindringlichen Hinweis, dass man bitte nicht versuchen solle, den Hund einzufangen, sondern bei Sichtung die angegebenen Telefonnummern zu kontaktieren.

Trotzdem passiert immer wieder genau das Gegenteil. Da gibt es die einen, die einen herrenlosen Hund laufen sehen und tatsächlich reflexartig in guter Absicht vorsichtig versuchen, ihn zu sichern. Geschickte Leute bekommen das oft genug sogar auch hin, keine Frage. Aber genau die hören auch meist auf, wenn sie merken, dass sie nicht zum Erfolg kommen werden. Genau an diese richtet sich das hier Geschriebene jetzt nicht.

 

Es liegt nun mal in der  Natur der Sache, dass man einen unsicheren Hund, der möglichst noch in unbekannter Umgebung entlaufen ist, nicht mal eben so sichern kann. Eben dieses scheint in unserer schnelllebigen Zeit niemand mehr zu verstehen oder verstehen zu wollen. Ist der Hund nicht innerhalb kürzester Zeit gesichert, erlebe ich es immer häufiger, dass sich verabredet wird, jetzt mal zu mehreren loszuziehen und den Hund "mal eben" einzufangen. Die Profis bringen es ja nicht. Genau das aber macht die Arbeit der Profis (und hier meine ich jetzt ausdrücklich nicht im Sinne von den Leuten, die das gewerblich betreiben, sondern allgemein die, die einfach Erfahrung und Ahnung in dieser Materie haben, egal ob Ehrenamt oder nicht) nicht nur immer wieder zunichte und man fängt von vorne an, sondern es bringt den Hund und mitunter auch unbeteiligte Dritte in Gefahr, weil der Hund, der in kopfloser Panik davon rennt, nicht mehr darauf achtet, ob da eine stark befahrene Straße, Eisenbahnschienen, eine Autobahn, ein tiefer Fluss oder Abgrund in seinem Fluchtweg liegt. Er folgt nur noch dem Impuls "Weg, weg weg!!!" und rennt und rennt und rennt, bis er entweder gefühlt weit genug von der Gefahr entfernt ist oder auf unsanfte, oft für ihn tödliche Art und Weise gestoppt wird. Und glaubt mir, es ist wahrlich keine Vergnügen, einen Hund auf 100 m verteilt auf den Bahnschienen zu finden oder Hunde zu identifizieren, bei denen man nach einem Unfall auf der Autobahn schon fast puzzlen muss, um zu sehen, was jetzt an Körperteilen wo hin gehört. Das sind Bilder, die brennen sich in den Kopf ein, die wird man lange nicht mehr los. Sind dabei vielleicht noch Menschen zu Schaden gekommen, macht das die Situation noch schwerer zu ertragen. Und in die Situation der Hundebesitzer, die für all das gerade stehen müssen, mag ich mich erst gar nicht hinein versetzen.

 

Aber selbst wenn es soweit noch nicht gekommen ist, so ist es auch nicht unbedingt ein Vergnügen, auf einem stark und schnell befahrenen Autobahnzubringer einen Hund daran zu hindern, auf die Bahn zu laufen, wenn er mal gerade so in Panik unterwegs ist, vor allem, wenn man ihm dann gerade die Ansprache zukommen lassen muss, von der man genau weiß, dass man danach mit allem wahrscheinlich wieder von vorne anfangen kann. Hier geht nun mal die Gefahrenabwehr Menschen gegenüber vor. Das ist definitiv eine Beschäftigung, auf die ich gern verzichten kann. Durch solche Aktionen wird nicht nur die Arbeit derer, die mit der Sicherung befasst sind, unnötig erschwert, sondern der Hund möglicherweise in einen unnötigen Tod getrieben. An dieser Stelle mal den Kopf einschalten und zu überlegen, warum immer gesagt wird: "Ruhe bewahren, nicht ansprechen, nicht einfangen, nur telefonieren!" hat noch niemandem geschadet. Aber leider herrscht da in manchen Köpfen dann scheinbar der Satz vor: "Verwirre mich nicht mit Fakten, wenn ich eine vorgefasste Meinung habe!" 

 

Daher mein Bitte: Lauft nicht gleich los, wenn ihr irgendwo die Sichtung eines entlaufenen Hundes gepostet seht. Meistens ist der Hund schon über alle Berge, wenn man dort ankommt. Wenn nicht, kann man ihn durch besonnenes, durch erfahrene Leute angeleitetes Vorgehen, den Hund in dem Gebiet halten. Das sind Arbeiten, die im Hintergrund laufen und bewusst in der Regel nicht veröffentlicht werden, denn: "Es gibt beim Thema "entlaufener Hund" eine Sache,..."

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